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Die Zukunft der Stellenanzeige: „Die Unternehmen müssen MOPS lernen.“


Wenn es um die Themenführerschaft in Sachen Medien und Personalmarketing geht, kommt man um ihn nicht herum: Wolfgang Jäger, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Personal- und Unternehmensführung und Media Management an der Hochschule RheinMain. Professor Jäger ist seiner Zeit oft ein ganzes Stück voraus und hat darüber hinaus eine pointierte Meinung. Spannend: Social Media hin oder her – er glaubt an die Zukunft der online-Stellenanzeige und erklärt, warum Unternehmen MOPS lernen müssen.

Jetzt ist wieder Studienzeit. Da kommt mir gerade in den Sinn: Letzte Woche hat mir eine internationale Unternehmensberatung eine 52-seitige Studie (in allen möglichen Pantone-Farbtönen) ins Büro geschickt. Es ging irgendwie um Fachkräftemangel und Frankenstärke oder so. Das Übliche halt. Für diese schweizweite Studie wurden tatsächlich „repräsentative“ 24 Unternehmen befragt.  Soviel zum Thema „was alles als Studie durchgeht“… Es gibt aber immer wieder spannendes Material, nennen wir es einfach Umfragen, Auswertungen oder von mir aus halt Studien. So bin ich in den letzten Monaten immer wieder auf Informationen rund um die Zukunft von online-Stellenanzeigen im Allgemeinen und dem Zusatznutzen von Videocontent darin im Speziellen gestossen. Auf dem Blog von HR Today habe ich kürzlich auch ein paar Zeilen darüber geschrieben. Bei diesem Thema kommt man um Professor Dr. Wolfgang Jäger nicht herum. Er forscht seit Jahren zu diesen Themen und hat gleichzeitig als Unternehmer sein Ohr nah am Puls der Arbeitsmärkte. Höchste Zeit für einige Nachfragen.

Herr Jäger, Sie sind Professor und ein gescheiter Mann – wissen Sie auch, was Sauglattismus ist?

Professor Dr. Jäger: „Danke für die Blumen, aber ehrlich gesagt, nein, da muss ich passen.“

Gemein, ich weiss. Das ist ein typischer Helvetismus, ein negativ angehauchter Schweizer Ausdruck für „Spassgesellschaft“. Ich frage deshalb, weil Sie kürzlich im Personalmagazin gesagt haben, die „Generation Youtube“ erwarte auch bei Personalmarketing-Videos einen gewissen Unterhaltungswert. Müssen Personaler künftig jetzt auch noch Unterhalter sein? Oder gar Hofnarr für ihre Zielgruppen?

Professor Dr. Jäger: „Auch wenn wir in der Personalkommunikation jetzt das Thema „Storry Telling“ ganz oben auf der Agenda haben, ist bei den  Recruitingvideos eben nicht „Spaß“, sondern „informative“ Unterhaltung  gefragt, den Betrachter dürfen die  90 Sekunden auch nicht langweilen.“

Aber Videos sind künftig schon sehr wichtig? Sie schreiben in einem Blogbeitrag ja klipp und klar: Videobasierte Stellenanzeigen sind das Format der Zukunft.  

Professor Dr. Jäger: „Ja davon bin  ich fest überzeugt. Das gesamte Mediennutzungsverhalten ändert sich. Die klassische Werbung setzt voll auf das Videoformat  in den Social Media Kanälen –  allen voran auf Youtube. Auch die Onlinestellenanzeigen  als Werbemedium Nr. 1 werden auf Dauer auf den kommunikativen Mehrwert  von Videos nicht verzichten können.“

Sehen Sie ausser der höheren Verweildauer weitere Vorteile?

Professor Dr. Jäger: „Ja – in unseren  Praxisstudien  haben wir herausgefunden, dass eine videointegrierte Stellenanzeige  umso erfolgreicher ist,  je unbekannter  bzw. je weniger die Stellensuchende sich unter dem  reinen Anzeigentext etwas vorstellen konnten.  Das ist viel häufiger der Fall als man denkt. Des weiteren wurde auf den videointegrierten Stellenanzeigen häufiger auf den Bewerbungsknopf gedrückt.“

Wenn doch die Vorteile auf der Hand bzw. im Bewerbungseingang liegen – woran liegt es denn aus Ihrer Sicht, dass sich Videocontent in den Stelleninseraten noch nicht wirklich durchgesetzt hat?

Professor Dr. Jäger: „Das Thema ist ja noch relativ neu – die meisten Unternehmen müssten ja erst mal MOPS  lernen – also die mobiloptimierte Stellenanzeige.  Ich sehe die videointegrierte Stellenzeige in einem etwas größeren Kontext.  Auch hat man den Unternehmen noch nicht vorgerechnet , dass dieses Format sich rechnet.“

Die heutigen pdf-online Inserate haben also in der Gunst der Talente bald ausgedient. Gilt das denn nicht auch für die Stelleninserate generell? Ihnen wird ja seit Jahren immer wieder ein baldiges Ende vorausgesagt?

Professor Dr. Jäger: „Ich  gehöre jedenfalls nicht zu den Totengräber der Onlinestellenanzeigen.  Alle ernst zunehmenden Studien zeichen immer wieder den stabilen Trend . Die effektivsten und effizientesten Rekrutierungskanäle  in der DACH – Region sind und bleiben auf absehbare Zeit die Online Jobboards und die unternehmenseigen Karrierewebseiten.“

Sie glauben also nicht an Social Media Recruiting und wie man Active Sourcing und andere neuen Rekrutierungsformen auch immer nennen mag?

Professor Dr. Jäger: „Doch – aber vielleicht etwas differenzierter.  Es war schon immer so, dass bestimmte Positionen und /oder Zielgruppen nur schwer über Inserate anzusprechen waren. Hier kann die Direktansprache wirklich helfen.  Dass das die Unternehmen jetzt selber machen wollen, da möchte ich vor zu großen Erwartungen warnen.“

Sehen Sie für die nächsten Jahre denn kein wirklich grosses „next big thing?“

Professor Dr. Jäger: „Der Siegeszug des Mobile Recruitings  und der Digitalisierung wird sich fortsetzen. Smarte Stellenanzeigen werden wie kleine  Karrierewebsiten daherkommen, kurz gesagt: dynamisch , mobil und audiovisuell.“

Lieber Herr Jäger, haben Sie vielen herzlichen Dank und Gruss nach Königstein.

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