Blog


Lohntransparenz schaffen: Bund, Kantone und Städte in der Pflicht

Die künftige Fachsekretärin Migrations- und Integrationspolitik bei der Gewerkschaft Unia, sickness die neue Verantwortliche für Kampagnen und Kommunikation bei der SP Bern oder der neue Mediensprecher des Migrationsamts im Departement von Bundesrätin Sommaruga: Diese drei heute (8.11.2016) vakanten Stellen haben etwas gemeinsam. Bewerberinnen und Bewerber tappen über die Lohnhöhe im Dunkeln und sie sitzen im Lohnpoker durch diese Unwissenheit am kürzeren Hebel. Und alle drei Arbeitgeber verlangen seit Jahren medienwirksam Lohngleichheit. Das ist inkonsequent.

 

Matthias Mölleney und mir ist Lohngleichheit wichtig. Wir sind – wie alle normal denkenden Menschen in diesem Land – der Meinung, here dass gleiche Arbeit und vergleichbare Leistung ungeachtet von Geschlecht oder Herkunft gleich entlöhnt werden sollen. Da gehen wir mit Bund, clinic Gewerkschaften und Gleichstellungsbeauftragten einig. Über den Weg dazu lässt sich streiten, 20 Minuten berichtet darüber.

Wir sind der Meinung, dass Lohntransparenz ein probates Mittel auf dem Weg zu tatsächlicher Lohngleichheit ist. Nicht das Allerheilmittel, aber ein Teil der Lösung. Und einer, der sich in vielen Unternehmen rasch realisieren liesse, gerade bei Bund, Kantonen und Städten mit ihren relativ starren Lohnsystemen. Wir appellieren an diese grossen Arbeitgeber (und alle anderen „Gleichgesinnten“), mit gutem Beispiel voranzugehen. Unsere Überlegungen dazu haben wir in einem Positionspapier zusammengefasst:

 

Positionspapier Lohngleichheit: Wie Bund, Kantone und Städte mit gutem Beispiel vorangehen könnten

Die staatliche Lohnpolizei ist nun also vom Tisch, eine Art «Privater Sicherheitsdienst» soll es richten. Bundesrätin Simonetta Sommaruga will der Gleichstellung in Lohnfragen mit regelmässigen Lohnkontrollen auf die Sprünge helfen. Der Bundesrat will Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden zu regelmässigen Lohnanalysen verpflichten. Bis im Sommer 2017 soll ein Gesetzesentwurf vorliegen. Diese Massnahmen zielen vor allem auf private Unternehmen. Dabei könnten Bund, Kantone und Städte in Sachen Lohntransparenz sehr pragmatisch und schnell mit gutem Beispiel vorangehen.

Jörg Buckmann: «Stopp dem Lohnpoker»

Diese Tage tourt das Lohnmobil durch die Lande. Ziel: Auf die in der Bundesverfassung verankerte Gleichstellung auch in Lohnfragen hinweisen. Die nicht sachlich erklärbaren Lohnunterschiede sollen in der Schweiz rund 8 % betragen. Auch wenn diese Zahlen unter Experten umstritten sind, ist es wohl eine Tatsache, dass es nach wie vor ein gewisses Mass an Lohndiskriminierung gibt. Dieser endlich wirksam zu begegnen, halte ich für sinnvoll und nötig.

Aus meinen Gesprächen mit HR-Kolleginnen und Kollegen weiss ich, dass nach wie vor viele Personalchefs in den Gesprächen gerne Lohnpoker spielen. Das beste Blatt hat, wer zuerst die Nerven verliert und eine Lohnvorstellung in den Raum stellt. Ist diese tiefer als das budgetierte Lohn, schlagen Viele gerne ein. Das Lohngespräch als Game? Ich bin der festen Überzeugung, dass von diesem Ritual Abstand genommen werden muss und stattdessen im Deal «Arbeit gegen Geld» den Bewerberinnen und Bewerbern ein klares, erklärbares und nachvollziehbares Lohnangebot gemacht werden sollte. Eines, das nicht darauf abzielt, was jemand zuvor verdiente, sondern sich nach der Bewertung der Tätigkeit, der Erfahrungen und dem Können der Bewerber richtet. Lohngleichheit beginnt hier und die Lohntransparenz bereits vor der Anstellung ist der Schlüssel dazu.

Lohntransparenz

Transparente Systeme sind ein wirksames Mittel gegen Diskriminierung, auch beim Lohn. Bund, Gewerkschaften und Gleichstellungsbüros von Kantonen und Städten fordern dies seit Jahren. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Publikation der Lohnbänder, also der Lohnbandbreite, bereits in den Stelleninseraten. Die Verkehrsbetriebe Zürich und das Kinderspital Zürich tun dies bereits freiwillig – und machen ausgezeichnete Erfahrungen damit.

Auch aus Personalmarketingsicht ist es erstaunlich, dass diese Informationen von fast allen Arbeitgebern noch immer zurückgehalten werden. Aktuelle Studien belegen:  Der Lohn ist einer der wichtigsten Aspekte bei einem Stellenwechsel. Trotzdem wird diese Information noch immer verweigert – teilweise wohl auch, um sie zu einem späteren Zeitpunkt des Auswahlverfahrens in den Lohnpoker einzubringen. Hypothese: Männer pokern dort höher als Frauen. Eine Umfrage von 20 Minuten ergab, dass für 4 von 5 Stellensuchenden die Information zur Lohnbandbreite nützlich wäre.

Matthias Mölleney: „Wichtiges Element eines wirksamen Gesamtsystems“

Die Transparenz in den Stelleninseraten ist ein wichtiges Element eines wirklich wirksamen Systems, um endlich Lohngleichheit zu erreichen. Dabei steht für mich nicht die regelmässige Überprüfung der Löhne im Vordergrund, sondern es setzt bei den Ursachen an. Die Systematik der Lohnsysteme muss diskriminierungsfrei sein. Das liesse sich mit durchaus vertretbarem Aufwand realisieren. Die sachliche Bewertung der Aufgaben und die Einstufung in die Lohnstufen und -bänder ist zentral, gerade bei typischen Frauenberufen. Die Kriterien, anhand derer die Bewerberinnen und Bewerber in das Lohnband eingestuft werden ein anderes. Zusammen mit dem Wissen aus den Stelleninseraten, wie gross die Lohnbandbreite ist, würde so ein wirksamer Beitrag für Lohngleichheit geleistet.

Mit guten Beispiel vorangehen

Bund, Kantone und Städte verfügen über klare und transparente Lohnsysteme ohne variable Lohnbestandteile. Aufgrund ihrer Klarheit sind diese speziell geeignet, um aussagekräftige Lohnangaben zu publizieren – einfach und ohne technische Anpassungen. Warum gehen daher öffentlich-rechtliche Arbeitgeber in Sachen Lohngleichstellung nicht mit gutem Beispiel voran und machen einen ersten Schritt in die konkrete Umsetzung?

 

Zürich, 27. Oktober 2016

 

Matthias Mölleney                                                   Jörg Buckmann

Präsident zgp                                                             Personalmarketingexperte

 

 

Kommentare ( 0 )

    Kommentar

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *