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„Moderne Jobbörsen sind digitale Headhunter“

Totgesagte leben länger, sagt der Volksmund. Das gilt auch für Jobbörsen, Regelmässig wird ihnen und den online-Stellenanzeigen der Tod in Form von Social Media, Mitarbeiter werben Mitarbeiter oder Active Sourcing nachgesagt. Dabei blühen die Geschäfte prächtig und gerade in der Schweiz ist der Markt durch neue Anbieter wie 100000jobs.ch in Bewegung. Ich habe mich mit Dr. Sebastian Dettmers, dem Geschäftsführer von StepStone, unterhalten.

 

Herr Dettmers, kurz und bündig: Wie war der 2015-er Jahrgang für Sie als Chef der grössten Jobbörse Deutschlands?

Sebastian Dettmers: „Großartig! Hinter uns liegt das mit Abstand erfolgreichste Jahr in der Geschichte von StepStone.“

Interessant. Dabei wird vielerorts den Jobbörsen ja schon lange das bevorstehende Ende in Form von Active Sourcing oder den Jobsuchmaschinen vorausgesagt.

Sebastian Dettmers: „Sie sagen es, solche Aussagen werden schon seit über 10 Jahren getroffen –  übrigens meist von Personen, die mit dem ein oder anderen ihr Geld verdienen. Vorhersagen treten aber nicht dadurch ein, dass sie wie ein Mantra wiederholt werden. Lassen Sie uns mit den Fakten auseinander setzen: Wir bei StepStone hatten nie mehr Besucher als heute, nie haben mehr Unternehmen mit StepStone rekrutiert. Wir wachsen derzeit extrem stark. Hierfür gibt es einen einfachen Grund: Jobbörsen helfen nachweislich am besten dabei, offene Stellen zu besetzen. Zahlreiche unabhängige Studien, z.B. von BITKOM, TNS, BVDW, belegen dies regelmäßig.“

Dabei wird das Schalten von Online-Stellenanzeigen von manchen gerne auch als „Post & Pray“ bezeichnet, was einen eher negativen Touch hat. Wie stehen Sie dazu?

Dettmers2Sebastian Dettmers: „Wer in diesem Zusammenhang von „Post & Pray“ spricht, hat nicht verstanden, was zumindest technisch fortschrittliche Online-Jobbörsen heute leisten. Lassen Sie mich das anhand von StepStone verdeutlichen. Vereinfacht ausgedrückt ist eine Stellenanzeige für StepStone ein digitaler Suchauftrag. Anhand dieses Suchauftrags identifizieren und aktivieren wir passende Kandidaten auf Basis von Kampagnen und Algorithmen. Das reicht von präzise ausgesteuertem Targeting von Kandidaten auf Google, Facebook & Co. über die Ansprache auf kleinen fachspezifischen Webseiten bis hin zur Aktivierung von Kandidaten auf ihren mobilen Endgeräten. Mit unserer StepMatch-Technologie versuchen wir genau zu erkennen, wonach ein Kandidat sucht und zeigen ihm passende offene Stellen. Wir beschäftigen mittlerweile Hunderte Entwickler, Linguisten und Datenspezialisten, um auf Basis von riesigen Datenmengen vorherzusagen, welcher Job wirklich zu einem Kandidaten passt. Moderne Jobbörsen arbeiten heute wie digitale Headhunter und sind deshalb unschlagbar, was die effiziente Rekrutierung von Fachkräften betrifft.“

Noch immer sehen fast alle Stellenanzeigen aus wie vor 50 Jahren. Dabei ließen sich diese doch längst mit verhältnismäßig wenig Aufwand inhaltlich, optisch und auch technisch zum Beispiel mit Animationen oder Videos aufwerten. Wann setzen sich diese so genannten Employer-Branding – Anzeigen mit interaktiven Features denn nun endlich durch? Oder… haben sich die Stellensuchenden bereits mit dem langweiligen Einheitsbrei abgefunden?

Sebastian Dettmers: „Sie sprechen hier einen wichtigen Punkt an, bei den Stellenanzeigen haben wir in der Vergangenheit nur wenig Evolution beobachtet. Vielfach sind Stellenanzeigen auf mobilen Endgeräten nicht lesbar und bieten nur wenig Raum für relevante Zusatzinformationen zum Unternehmen. Aus diesem Grund haben wir das Liquid Design für Stellenanzeigen entwickelt. Die Stellenanzeige im Liquid Design ist mobiloptimiert und zeigt die Inhalte der Stellenanzeige in strukturierter Form an. Im Moment arbeiten wir daran, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich in der Anzeige auch umfassend als Arbeitgeber zu positionieren, natürlich nicht nur in Wort, sondern auch in Bildern und Videos. Ich bin absolut überzeugt davon, dass sich dieses Format auch durchsetzen wird.“

Ihr Wort in (Personalmarketing-) Gottes Ohr. Schauen wir nach vorne. Wie sieht StepStone in 5 Jahren aus? Welche zusätzlichen Funktionen dürfen User und Unternehmen erwarten?

Sebastian Dettmers: „WIn fünf Jahren wird StepStone mehrheitlich mobil genutzt und die mobile Bewerbung wird ein etablierter Bewerbungsweg sein. Wir werden in der Lage sein, Menschen ihren Traumjob vorzuschlagen – unabhängig davon, ob sie auf StepStone eine Suche durchführen oder überhaupt StepStone besuchen. Und natürlich haben wir noch viele weitere Innovationen in der Pipeline, über die wir heute allerdings noch nicht sprechen möchten. Unser Erfolgsprinzip wird aber gleich bleiben: Unternehmen und Kandidaten effizient zusammenzubringen.“

Wie beurteilen Sie den aktuellen Trend zur Vertikalisierung, also einer Spezialisierung bei den Jobbörsen?

Sebastian Dettmers: „Ich sehe Spezialisierung nicht als Trend. StepStone selbst ist ja nur durch seine Spezialisierung auf Fachkräfte und Führungspersonal erfolgreich geworden. Eins wird jedoch oft übersehen: Jobsuchen sind ja per se spezialisiert. Praktisch alle Kandidaten auf StepStone nutzen unsere „Was“- und „Wo“-Suche. Damit ist eine Jobsuche immer regional und immer auch berufsspezifisch. Genauso sprechen wir Kandidaten über Online-Marketing immer zielgruppenspezifisch an. Hierzu zählen unter anderem unsere Kooperationen mit über 400 Partnerseiten, auf denen StepStone-Jobs ausgespielt werden.“

Und jetzt für einmal ganz undiplomatisch und konkret: Wann kommt StepStone in die Schweiz?

Diesbezüglich ist derzeit nichts geplant.

Vielen Dank Herr Dettmers und weiterhin viel Erfolg.

Auf Wiederlesen

Kommentare ( 3 )

  • Lesetipp: „Moderne Jobbörsen Sind Digitale Headhunter“ | REthink Recruiting sagt:

    […] Dr. Sebastian Dettmers im Interview mit dem Personalmarketing-Experten Jörg Buckmann – über Mantras, Fakten, Stillstand, Evolution und Erfolgsprinzipien. Viel Spaß beim […]

  • Tho sagt:

    Das StepStone Marktführer ist, bleibt (momentan) unbestritten. Aber auch für den Marktführer sollte das gelten, was er für Wettbewerber fordert:
    „Vorhersagen treten aber nicht dadurch ein, dass sie wie ein Mantra wiederholt werden. Lassen Sie uns mit den Fakten auseinander setzen: Wir bei StepStone hatten nie mehr Besucher als heute […]“.
    Ein Blick in die Zahlen der IVW e. V. zeigt etwas anderes:

    Online:
    Februar 2016: 9.32 Mio Visits, 39,04 Mio Seitenaufrufe
    Februar 2015: 11,56 Mio Visits, 49,44 Mio Seitenaufrufe

    Gesamt (inkl. Apps etc.)
    Februar 2016: 14,08 Mio Visits, 58,98 Mio Seitenaufrufe
    Februar 2015: 14,27 Mio Visits, 60,52 Mio Seitenaufrufe

    Wachstum sieht anders aus… Aber das rechtfertigt natürlich auch jede Preiserhöhung…

  • Thomas sagt:

    Um was es Stepstone zu gehen scheint ist das was Fachleute im Personalbereich als Matching bezeichnen. Diese Verfahren gehen überwiegend von hard facts also fachlicher Qualifizierung aus und passen nicht auf Quer-/Seiteneinsteiger.
    Aber durch die Krisen in der EU, wie den Finanzbereich (Banken), Euro (Waährung), Verschuldung (südliche Staaten am Mittelmeer) und Wanderungen (Flüchtlingen, Asylbewerber), die zur mangelnden Unterstützung Arbeitsloser (in Deutschland Hartz IV, Tafeln, Armut, Prekariat) und allgemein schlecht bezahlter Arbeit durch 20% Jugendarbeitslosigkeit und mit über 45 Jahren kaum noch Chancen, herrscht kein Facharbeitermangel, höchstens gibt es Engpässe, können Matchingverfahren funktionieren denn es mangelt nicht an Qualifizierten.
    Ist der Pool groß genug – es gibt genug Suchende – und eine ausgeklügelte Software, die nach Kriterien sortiert (Qualifikation, Berufserfahrung, Altersbereich, Geschlecht, Noten) dürfte es relativ leicht sein aus 500 Bewerbern auf 5 Vorstellungskandidaten zu kommen und aus diesem im Gespräch und Test jemanden zu selektieren.
    Da die Auftraggeber sich nicht massiv beklagen sind diese zu 80% bis 90% vermutlich zufrieden. Sonst kündigt man in der Probezeit oder läßt bei Befristung das Arbeitsverhältnis auslaufen und sucht von vorne.
    Alles – nur keine Hexerei, sondern solides Handwerk!

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