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Personalmarketing: Von Spam-Mails lernen

Es weihnachtet, es ist ganz offensichtlich: Denn in den letzten Tagen bekam ich immer wieder Post von freundlichen Menschen aus aller Welt. Dr. Harrie Limburg von der Lottogesellschaft aus Holland wollte mir 550’000 Euro überweisen. Peter Wong meldete sich gleich mehrmals, um mir «Geschäftsbeziehungen vorschlagen, die von gegenseitigem Interesse sind».  Echt nett. Und die EuroMillions Lottery Promotion aus Madrid war erfreut mir «mitteilen zu konnen, das die gewinnliste, die EuroMillions LOTTERY PROMOTION AM 24/11/2015 erschienen ist, vorbei Co-organisiert World Tourism Organization/Spanish Ministerio de Tourismo dir offizielle liste der gewinner erschien am 28/11/2015 Ihr e-mail wurdeauf dem los mit dir nummer:(723-154-27576) und mit der seriennummer:{52136} registried.» Aha, alles klar, merci.

Mehr Freude machten mir dann doch die aufwändiger konstruierten Geschichten mit bemerkenswerten Storytelling-Ansätzen. So zum Beispiel der rührige Peter Ruen, seines Zeichens immerhin selbsternannter Abschlussprüfer und Leiter der EDV-Abteilung der ABN-AMRO Bank in den Niederlanden, der, wie er mir versicherte, das Glück hatte, bei seiner Arbeit ein Konto gefunden zu haben (Zitat: «Ich bin total Schock zu entdecken, dieses Konto war DORMANT für eine so lange Zeit.»). Ruen bringt es auf den Punkt: «Der Verstorbene Kontostand Summe ist 31,000,000 USD.» Und Anwalt Thomas Anderson berichtete mir, vermutlich tränenüberströmt, von der Geschichte eines Südafrikaners, der mit seiner Familie im Flugzeug der Malaysian über der Ukraine abgeschossen wurde und natürlich auch ein Vermögen hinterliess, welches nun schnurstracks zu mir gelangen sollte.

Ich könne noch viele Geschichten mehr aufzählen. Meist nerven diese Spam-Mails natürlich einfach nur und man fragt sich, ob es wirklich noch ausreichend Dumme gibt, die darauf reinfallen. Offenbar schon. Natürlich ist Gier die Triebfeder hinter diesem Geschäftsmodell. In der Kommunikation bauen die Hintermänner auf eine beachtliche Kreativität im Erfinden immer wieder neuer Geschichten. Von diesem Ideenreichtum könnten wir uns eine Scheibe abschneiden.

Erfolgsfaktor Kreativität

Ich glaube, dass diese Kompetenz in der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen immer wichtiger wird. Aktuell setzen zwar noch immer viele Unternehmen auf das Gegenteil. Mit Reglementen, Manuals, Kontrollschlaufen, Prozessabläufen, Visio, IQS und tausend (irgendwie auch fast schon wieder kreativen) Kontrollmechanismen wird fieberhaft versucht, die Komplexität beherrschen zu können. Was für ein Irrtum. Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel in ganz anderen Kompetenzen liegt. In der verpflichtenden Kraft des Vertrauens zum Beispiel. Oder eben in der Fähigkeit von Mensch und Organisation, agil (um dieses trendige Wort auch mal zu nutzen) und mit pfiffigen Lösungsideen im Arbeitsmarkt zu reagieren. So zum Beispiel auf die anrollenden Herausforderungen rund um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative mit ihren Schutzklauseln, die der Bundesrat letzte Woche grob skizziert hat. So soll bei der Zuwanderung von Angehörigen aus EU- und EFTA-Staaten eine bestimmte Schwelle festgelegt werden, ab der für das Folgejahr Höchstzahlen und Kontingente eingeführt werden. Im wohl als Konsequenz zunehmenden Kampf um Schweizer Talente werden wohl kaum jene mit den besten Visio-Prozessabläufen gewinnen. Oder den härtesten Einkaufsrichtlinien. Oder dem schönsten Formularpark. Ich könnte noch viele weitere Beispiele von Herausforderungen aufführen, für die Kreativität der Schlüssel zur Lösung sein wird. Kreativität wird ein Erfolgsfaktor.

Denken Sie, um doch noch ein Beispiel herauszupicken, an die stark ausgeprägten Sicherheitsbedürfnisse der Gen Y (und aller anderen Generationen), die in diesen unsicheren Zeiten Sicherheiten verlangen und gleichzeitig für sich individuelle Bedürfnisse erfüllt haben wollen, beispielsweise in Sachen Arbeitszeiten und –formen. Ausgesprochen anspruchsvolle Herausforderungen, die auf da auf das HR warten und die nach kreativen Lösungen verlangen.

A propos kreative Lösungen: Anfang Dezember wurde in Berlin eine Kampagne der Verkehrsbetriebe Hannover mit einem Award ausgezeichnet, die genau diese Kreativität (und eine riesengrosse Portion Frechmut) als Königsweg – in diesem Fall für die Anwerbung von Arbeitskolleginnen – für Problemstellungen aufzeigt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein rockiges, kreatives, aber natürlich auch glückliches und gesundes neues Jahr.

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