Blog


Silp: Social Media Recruiting lebt

Bildschirmfoto 2014-11-20 um 17.26.56In der eher konservativen HR-Branche sorgen immer wieder spannende Start-up’s mit frechmutigen Ideen für frischen Wind. Dazu gehört auch das Unternehmen mit dem unge-wöhnlichen Namen Silp. „Dein Traumjob wird dich finden“, so das Markenversprechen des Schweizer Unternehmens. Understatement tönt definitiv anders. Funktioniert es auch?

2012 hat das Schweizer Start-up um Gründer Dominik Grolimund Furore gemacht. Innert kürzester Zeit hat es mit dem Versprechen, über die Registrierung mit seinem Facebook-Profil zu seinem Traumjob zu kommen, über eine Million Mitglieder gesammelt. Basis ist des Geschäftsmodells: Social Media Recruiting, also die Ansprache interessanter Kandidaten durch die Unternehmen – nicht mehr umgekehrt. Die Haltung von Social Media Recruiting basiert darauf, dass Unternehmen selber auf spannende Personen zugehen. Immer mehr, auch Klein(st)unternehmen, versuchen es, experimentieren und lernen dabei. Trotzdem sind Social Media Plattformen noch nicht so richtig in der Personalwelt angekommen.

Strategische Verstärkung für Silp

Zurück zu Silp: Nach dem fulminanten Start wurde es stiller, die Gründer schienen fast selber von ihrem Erfolg überrascht und von der Nachfrage der User überrannt. «Wir haben im Herbst das Wachstum bewusst gestoppt, indem wir Features entfernt haben, um am Matching und am Arbeitgeberprodukt zu arbeiten. Wir werden das Wachstum wieder fortsetzen, sobald wir mit der Arbeitgeberlösung auf den Markt kommen», sagte daraufhin Gründer Grolimund zur Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). In der Zwischenzeit hat das Unternehmen den Worten Taten folgen lassen und spannt seit dem letzten Jahr mit der x28 AG zusammen. Das Unternehmen aus Thalwil am Zürichsee ist marktführend in der semantischen Suchtechnologie und ergänzt die Grundidee von Silp ideal. „Jobagent“ Cornel Müller, Geschäftsleitungsmitglied von x28, hält die Beteiligung für eine ideale Symbiose: „Dank der Semantik kann die enorme Datenmenge von Silp effektiv genutzt werden. So erhalten die richtigen Menschen die passenden Traumjobs“, erklärte er im Gespräch mit diesem Blog.

So funktioniert Silp

Wie andere Unternehmungen (beispielsweise Recomy) auch, versucht Silp, sich die Netzwerke von Millionen von Usern sozialer Netzwerke zu Nutze zu machen. Vereinfacht gesagt gleicht es die Stellenprofile mit denjenigen von Usern ab und verspricht, die Stellen zu den Menschen zu bringen.

Das Anmelden auf Silp funktioniert in der Tat schon einmal rekordschnell und einfach, wie mein Selbstversuch am Sonntag zeigte. Mit dem Facebookprofil anmelden, die Profildaten mit dem Xing- und/oder Linkedinprofil anreichern, dann mit selber hinzugefügten Begriffen abrunden, fertig. Mal schauen, ob mich nun meine Wunschstelle findet. Die Zeit wird es zeigen. Doch wie steht es um den Datenschutz? Wo werden nun meine aggregierten Daten gesammelt und wer hat Zugriff darauf? Ich habe bei Andreas Bachmann nachgefragt, dem Verkaufsleiter von Silp. Bachmann versichert:

„Die Daten, die durch die User freigegeben werden, wenn sie sich registrieren bzw. öffentlich zugänglich sind, werden auf Silp eigenen Servern gespeichert. Zugriff darauf hat ausschliesslich Silp.“
Andreas Bachmann, Silp

In der Theorie findet mich meine Traumstelle schon einmal ganz einfach. Silp verspricht, Stellen zu erkennen, die zu meinem Profil passen und sendet mir diese per Mail zu. Klicke ich auf den Link im Mail, komme ich auf das Silp-Arbeitgeberprofil wie zum Beispiels jenes des UniversitätsSpitals Zürich. Das ist eine speziell eingerichtete Landingpage des suchenden Unternehmens mit Silp-optimierten Stellenanzeigen.

Das Silp Arbeitgeberprofil.

Das Silp Arbeitgeberprofil. Quelle: Screenshot

Silp 5

Das Silp-optimierte Stelleninserat mit „Interesse bekunden“-Button. Quelle: Screenshot

 

Bin ich interessiert, klicke ich ganz einfach auf den «Ich bin interessiert»-Button und schon bekunde ich direkt mit nur einem Mausklick mein Interesse. Meine bei Silp gespeicherten Profildaten werden gleich ohne mein Zutun mitgeschickt.

Silp als Botschafter

BachmannEs gibt aber noch einen zweiten Silp-Weg. Die Technologie von Silp erkennt nämlich, wenn ein Profil einer meiner Social Media Kontakte auf eine Stelle passt, die ein Silp-Kunde zu besetzen hat. Silp-User werden dann darauf hingewiesen und kann meine Internet-Bekanntschaft per Mausklick auf diese Stelle hinweisen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die auch auf Empfehlungen basieren, gibt’s dafür aber kein Geld. Andreas Bachmann von Silp dazu: „Wir sind der Überzeugung, dass interessante Karrieremöglichkeiten unter Freunden geteilt werden, auch ohne dass ein Incentive im Spiel ist. Ein klassischer Freundschaftsdienst eben. Wir stellen aber sicher, dass dank eines einfachen und userfreundlichen Prozesses die Weiterleitung nicht mit viel Aufwand verbunden ist.“

Erste Erfolge zeigen: Social Media Recruiting lebt

Die Verstärkung mit x28 und die sorgfältige, auf langfristigen Erfolg ausgelegte Ausarbeitung des Geschäftsmodells und der Dienstleistungpalette scheinen sich nun für Silp auszuzahlen. Mittlerweile hat das  Unternehmen namhafte Kunden gewinnen können, die für die Besetzung ihrer Stellen bzw. ganz gezielt für die Besetzung schwieriger Profile auf Silp setzen. Der Reiseanbieter Kuoni gehört dazu. Die bbv Software Services. Oder die Stadler Rail und der Autoimporteur AMAG. Ich habe aber bei einem Silp-Kunden direkt um die Ecke nachgefragt, beim UniversitätsSpital Zürich.

Plüss Monika, HR Universitätsspital ZürichDie Gesundheitsbranche gehört bekanntlich ja zu den schwierigsten Arbeitsmärkten. Erstaunlich, wie passiv viele Spitäler noch immer unterwegs sind. Nicht so Monika Plüss. Sie ist Leiterin Personalmarketing und Rekrutierung beim UniversitätsSpital Zürich, einem der grössten Spitäler der Schweiz. Sie und ihr Team nutzen Silp als ein zusätzliches Element in ihrem Instrumentenmix für die Rekrutierung, wie mir Monika Plüss erklärt. Und sie kann schon erste Erfolge in der Anwendung von Silp verzeichnen.

„Wir konnten bereits fünf Stellen aus unterschiedlichen Bereichen mit Silp besetzen.“ 
Monika Plüss, UniversitätsSpital Zürich

Unter diesen erfolgreich besetzten Stellen waren auch solche im speziell umkämpften medizinischen Bereich. Dabei ist der Aufwand überschaubar, weil die freien Stellen direkt von der Homepage des Spitals übernommen werden. Das bestätigt auch Monika Plüss, die Profi-Recruiterin ist angetan: „Silp ist eine innovative Idee und bietet uns eine neue Möglichkeit das USZ als vielseitiger Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren. Mit dem von Silp betriebenen SEO haben wir eine deutlich erhöhte Präsenz und können so unsere Arbeitgebermarke mit grosser Hebelwirkung stärken“.

Bei all diesen vielversprechenden Erfolgen bleibt für das Thalwiler Start-up noch viel Arbeit. Parallel zur Neukundengewinnung gilt es, die für ein noch junges Unternehmen typischen „Kinderkrankheiten“ auszumerzen, die Suchfilter weiter zu verfeinern und die Abläufe zu optimieren. Das hat auch Monika Plüss erkannt: „Die Prozesse könnten teilweise noch optimiert werden. Man merkt als Kunde, dass man mit einem Start-up zu tun hat – dies einerseits am wohltuenden Pragmatismus, andererseits aber an gewissen Prozessschritten, die nicht abschliessend geklärt sind.“

So geht es mit Silp weiter

In der NZZ kündigte im Frühjahr Silp-CEO Dominik Schmid für dieses Jahr das Erreichen der Gewinnschwelle an. Ich habe nachgefragt. Dominik Schmid zeigt sich zufrieden: „Ja, wir sind auf Kurs“. Für 2015 und die nächsten Jahre steckt sich Schmid mit seiner Mannschaft schon nächste, hohe Ziele:

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in neue Märkte zu gehen, nach dem die Produkteinführung im Schweizer Markt erfolgreich verlaufen ist.“ Dominik Schmid, CEO Silp

Schmid weiter: „Unsere Daten stammen schliesslich aus der ganzen Welt, nicht nur aus der Schweiz. Ausserdem arbeiten wir an neuen Produktvarianten, um noch mehr potenzielle Abnehmer bedienen zu können. Für 2015 wichtig ist ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, das Matching weiter zu perfektionieren.“

Man darf gespannt sein. Ich bleibe dran.

Auf Wiederlesen

 

Kommentare ( 2 )

Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *