Die drei ??? und der Karriere-Reiseblog

Wenn ein Arbeitgeber, zumal eine Behörde, eine Art «Reiseblog» herausgibt, dann löst das Fragen aus. Mindestens drei, würde ich mal sagen:

Erstens: Spinnen die?
Zweitens: Ist das ein Gag einer Agentur?
Drittens: Werden Steuergelder verschwendet?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Drei mal nein. Ganz im Gegenteil!

 

Es wäre einer der leichteren Fälle für die drei Fragzeichen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews: Das Rätsel, weshalb die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein für ihr Personalmarketing einen «Karriere-Reiseblog» ins Leben gerufen hat, lässt sich leicht lösen. Denn ein solcher Blog macht Sinn, ja ist geradezu logisch. Doch der Reihe nach:

 

Eine richtig spannende Arbeitgeberin

Die FMA ist die zweitgrösste Behörde in Liechtenstein. Selbst für Politik und Wirtschaft ist sie eine kleine Blackbox (und für manche einfach ein ärgerlicher Kostenblock und eine Verhinderungsinstitution), versteckt hinter sandsteinfarbenen Mauern in einem Gebäude an einer Durchgangsstrasse in Vaduz.

Auf dem Arbeitsmarkt angelt die FMA zusammen mit Banken und Treuhändern in ziemlich leergefischten Teichen nach neuen Talenten. Auch sie sucht sehr gut ausgebildete Banker, Treuhänderinnen, Steuerexperten, Wirtschaftsprüfer und Juristinnen. Dass die Aufsichtsbehörde dabei von vielen als „Local Player“ und Behörde mit all ihren Stereotypen wahrgenommen wird, vereinfacht die Suche nicht gerade.

 

Storytelling rund um Teamspirit, Internationalität und Fintech

Dabei überzeugt die FMA mit einem erfrischend unkomplizierten Teamspirit, äusserst anspruchsvoller und gesellschaftlich wichtiger Arbeit und sie ist überraschend international tätig. Um das besser bekannt zu machen, zeigt die FMA seit bald drei Jahren auf ihrer Karriere-Website, wer sie ist und was das Arbeiten bei der Liechtensteiner Finanzmarktbehörde ausmacht. Dabei setzt sie auf die Menschen, die hier arbeiten. Die Karriere-Website ist ganz schön bunt und lebendig. Die Mitarbeiterporträts und ergänzend dazu die Posts auf Instagram – sie alle erzählen kurze Geschichten.

Erste gute Erfahrungen mit Storytelling und Mitarbeitenden, die Gesicht zeigen, hat die FMA also bereits gesammelt. Jetzt setzt sie ein weiteres Ausrufezeichen auf dem Arbeitsmarkt.  Dabei stellen die künftigen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen interessierter Talente noch stärker in das Rampenlicht – und ein zweites Asset dazu: den Standort Vaduz.

 

Ein Reiseführer für Fachkräfte

Wenn einer eine Reise tut, hat er was zu erzählen. Schon vor der Reise fiebert man dem Ereignis entgegen, das Planen und die Vorfreude gehören zum Reiseerlebnis ganz einfach dazu. Reiseführer bündeln die Sehnsüchte nach einem neuen Abenteuer. Sie geben rasch einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, klären auf über Land und Leute und helfen mit konkreten Tipps, sich am Ziel rasch zurechtzufinden. Heiss begehrt sind dabei die Geheimtipps der Einheimischen.

Was liegt also näher, als die Vorfreude über einen möglicherweise neuen Job bei der FMA in einem Reiseführer zu bündeln? Dort die wichtigsten Informationen über Land und Leute und natürlich die FMA zusammenzustellen? Und für dieses geniale Projekt die zu fragen, die es wissen müssen, was Liechtenstein als Arbeitsort so besonders macht: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FMA?

Der Arbeitsmarkt in Vaduz ist klein und die Nachfrage gross. «Darum müssen auch wir  überregional nach den Talenten Ausschau halten», sagt Martin Schädler. «Für Auswärtige spielt dabei selbstverständlich auch der Arbeitsort eine entscheidende Rolle. Was unser kleines, schönes Land und Vaduz zu bieten haben, ist vielen wenig bekannt. So kamen wir auf die an sich ja völlig nahe liegende Idee eines Reiseführers.»

 

 

Der Karriere-Reiseblog der FMA

Die Ursprungsidee eines gedruckten Reiseführers liess sich aus Kostengründen nicht realisieren. Ein Reiseblog hingegen schon. Der Karriere-Reiseblog ist Storytelling pur und enthält echte Geschichten von und über die Mitarbeitenden der FMA und ihre Lieblingsplätze in und um Vaduz. So verraten zum Beispiel Betriebswirtin Claudia und Jurist Chris, dass sie über Mittag gerne in der Ruine Schellenberg ihren Kopf durchlüften. So wie die beiden sympathischen Mitarbeitenden aus dem Bereich Wertpapiere und Märkte verraten viele weitere Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, was sie in der Freizeit gerne unternehmen und welche Orte es ihnen angetan haben. Wo man gut essen kann und – wie in jedem anständigen Reiseführer – welche Fettnäpfchen man auslassen sollte.

Manche wie zum Beispiel Jasmin Kranz vom Bereich Wertpapier und Märkte lüften gar das Familiengeheimnis um die Landesspezialität „Käsknöpfli“ und zeigen, wie das geht.

 

So lernt man Land und Leute kennen und gleichzeitig erfährt man «durch die Blume» auch viel über die künftigen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, den Teamgeist und die FMA als Arbeitgeberin.

 

Made with love in Liechtenstein

«Der Karriere-Reiseblog ist aber längst noch nicht fertig», sagt Annika Willi. Die 27-jährige ist die Chefbloggerin. Sie sucht die Geschichten aus, begleitet mit der Kamera ihre Kolleginnen und Kollegen an die schönsten Plätze. Nach ihrem Studium macht die fröhliche Vorarlbergerin ein mehrmonatiges Praktikum in der Personalabteilung und kümmert sich um die coole Personalmarketingidee der FMA.

 

 

«Der Karriere-Reiseblog ist made with love in Liechtenstein», schmunzelt die Content Verantwortliche. «Wir machen alles selber», sagt Annika Willi nicht ohne Stolz. «Die Website haben wir selber aufgebaut, ein Arbeitskollege von der Gruppe Regulierungslabor/Finanzinnovation hat für uns in seiner Freizeit eine passende WordPress-Standardlösung evaluiert, keine 100 Franken teuer. Das Logo habe ich gezeichnet und auch die Beiträge stammen aus meiner Feder bzw. Kamera. Nur gerade beim Spinnen der Idee und der Konzeption haben wir ganz am Anfang ein paar Stunden mit einem externen Partner die Köpfe zusammengesteckt. Und von Liechtenstein Marketing dürfen wir Video- und Bildmaterial mitnutzen.»

 

„Wir sind dann mal live“

Annika Willi verrät zum Start der tollen Personalmarketingidee, dass wir noch auf einiges gespannt sein dürfen: «Die nun aufgeschaltete Version wird noch weiter wachsen. Ich bin weiterhin mit unseren Mitarbeitenden unterwegs und produziere neue, spannende Inhalte. Ausserdem entwickeln wir den Reiseblog als Ganzes weiter: Wir beobachten, welche Themen performen, wie die Inhalte funktionieren und wie sie mit unserer Karriereseite zusammenspielen. Dabei können wir sicher noch viel lernen und unserem Reiseblog noch mehr Leben einhauchen. »

Ich ziehe den Hut vor Martin Schädler, Annika Willi und allen Beteiligten der FMA. Sie zeigen, dass kreatives Personalmarketing eine Einstellungssache ist. Eine Frage des Willens und nicht des Geldes. Oder wie mir der zweifache Werber des Jahres Markus Ruf einmal sagte: Man sollte Seriosität nicht mit Langeweile verwechseln.

Chapeau, liebe FMA.